Lesbarkeit prüfen
Wie verständlich ist Ihr Text? Drei Indizes, die für die deutsche Sprache entwickelt oder angepasst wurden – nicht die englischen Originalformeln.
Auswertung
Lesbarkeitswerte
Einstellungen
Warum englische Formeln für deutsche Texte nicht taugen
Der bekannte Flesch-Reading-Ease wurde für das Englische entwickelt. Deutsche Wörter sind im Schnitt länger und silbenreicher, deutsche Sätze komplexer gebaut. Wendet man die englische Formel unverändert an, erscheint jeder normale deutsche Sachtext als unlesbar. Toni Amstad hat die Formel deshalb 1978 an das Deutsche angepasst – diese Variante wird hier verwendet.
Flesch-Reading-Ease nach Amstad
FRE = 180 − ASL − (58,5 × ASW)
ASL = durchschnittliche Satzlänge in Wörtern,
ASW = durchschnittliche Silbenzahl je Wort.
| Wert | Einordnung |
|---|---|
| 90–100 | Sehr leicht, Volksschulniveau |
| 80–90 | Leicht, einfache Alltagssprache |
| 70–80 | Mittelleicht, gut lesbar |
| 60–70 | Mittel, Standardtext und Zeitung |
| 50–60 | Mittelschwer, anspruchsvoll |
| 30–50 | Schwer, Fachtext und Studium |
| 0–30 | Sehr schwer, Wissenschaft und Juristendeutsch |
Für Texte, die ein breites Publikum erreichen sollen, gilt ein Wert ab etwa 60 als Zielmarke. Behördliche und juristische Texte liegen oft unter 30.
Wiener Sachtextformel
Die Wiener Sachtextformel wurde eigens für deutschsprachige Sachtexte entwickelt. Ihr Ergebnis ist kein Punktwert, sondern die Schulstufe, die zum Verständnis nötig ist – ein Wert von 8 bedeutet: verständlich ab der achten Klasse. Die Skala reicht von 4 bis 15.
WSTF = 0,1935 × MS + 0,1672 × SL + 0,1297 × IW − 0,0327 × ES − 0,875
MS = Anteil Wörter mit drei oder mehr Silben, SL = mittlere Satzlänge,
IW = Anteil Wörter über sechs Buchstaben, ES = Anteil einsilbiger Wörter.
LIX-Index
Der LIX (Läsbarhetsindex) des schwedischen Forschers Carl-Hugo Björnsson funktioniert sprachübergreifend, da er ohne Silbenzählung auskommt: Er addiert die mittlere Satzlänge und den Anteil der Wörter mit mehr als sechs Buchstaben. Unter 40 gilt ein Text als leicht, ab 60 als sehr schwer.
Verständlicher schreiben – in dieser Reihenfolge
- Lange Wörter ersetzen. „Inbetriebnahme“ wird zu „Start“. Der Silbenanteil wiegt in beiden deutschen Formeln am schwersten.
- Sätze teilen. Über 20 Wörter je Satz wird es zäh; Schachtelsätze mit mehreren Nebensätzen sind der häufigste Grund für schlechte Werte.
- Nominalstil auflösen. „Es erfolgt eine Prüfung“ wird zu „Wir prüfen“. Verben sind kürzer und konkreter als Substantivierungen.
- Passiv vermeiden. Aktive Sätze benennen den Handelnden und sparen Hilfsverben.
Die Silbenzahl je Wort sehen Sie im Detail im Silbenzähler, alle übrigen Kennzahlen im Zeichenzähler.
Häufige Fragen
Welcher Flesch-Wert ist gut?
Für allgemein verständliche Texte gilt ein Wert ab etwa 60 als gut. Behörden- und Fachtexte liegen häufig unter 30. Entscheidend ist die Zielgruppe: Ein Fachartikel für Ärztinnen darf schwerer sein als eine Elterninformation.
Was ist der Unterschied zwischen Flesch und der Wiener Sachtextformel?
Der Flesch-Wert nach Amstad liefert eine Punktzahl von 0 bis 100, bei der hohe Werte leicht bedeuten. Die Wiener Sachtextformel gibt stattdessen die nötige Schulstufe von 4 bis 15 an, wobei niedrige Werte leicht bedeuten.
Warum ist mein Text trotz kurzer Sätze schwer lesbar?
Weil die Wortlänge stärker ins Gewicht fällt als die Satzlänge. Viele dreisilbige Fachbegriffe und lange Komposita drücken den Wert auch dann, wenn jeder einzelne Satz kurz ist.
Kann ich den Werten blind vertrauen?
Nein. Lesbarkeitsformeln messen Oberflächenmerkmale wie Wort- und Satzlänge, nicht Logik, Aufbau oder Fachbegriffsdichte. Sie sind ein nützlicher Hinweis, ersetzen aber kein Lektorat.